Dienstag, 31. Juli 2018

Cardedeu - Narbonne

Adiós España, vive la France !



Entlang der Urlauber-Hauptverkehrsroute geht es heute nach Südfrankreich. Dementsprechend zum Kotzen ist nach wie vor die Verkehrssituation.





Auf diesem Planeten gibt es einfach schon zu viele Homo sapiens, insbesondere solche, die Autos besitzen und furchtbar gerne damit herumfahren. Masse bedeutet in einem gewissen Grad immer auch Individualverlust, Desinteresse, Abgestumpftheit und Rücksichtslosigkeit - aber dazu vielleicht in einem abschließenden Kommentar mehr.

In Pont de Mollins entdecken wir einmal mehr ein Badeplätzchen und nützen die Gelegenheit.



Es ist nach wie vor stechend heiß. Der Anstieg zur Grenze in den Pyrenäen ist nicht anspruchsvoller als eine der anderen unzähligen Steigungen, die wir täglich fahren. Auf französischer Seite geht's dann - trotz teils schlechten Straßen - nochmal flott dahin bis Narbonne.



Gesucht wird immer die optimale "Line".



In Narbonne heißt es Endstation für heute, das 200er-Bierchen ist angesagt, genauer gesagt, ein 233er-Bierchen (so viele Kilometer waren's nämlich heute, und noch 1590 Höhenmeter dazu). Allerdings schockt uns der Preis desselbigen - 3,50 für so einen lumpigen 25cl-Schluck! Wir sind nämlich von Spanien dahingehend extrem verwöhnt. Also wird beim Carrefour noch schnell vorgesorgt und nach einem Besuch beim Gourmet-Kebab gleich über der Straße, wird unter der feinen Klimaanlage Party gemacht.

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Montag, 30. Juli 2018

Sant Carles de la Rapita - Cardedeu

Was für eine Schinderei! Noch halten wir dank knallhartem Zeitmanagement durch. Ich wundere mich ja immer, wie wir das Tag für Tag bewältigen. Die Weicheier bei der Tour de France zum Beispiel fahren ihre Kurzetappen und lassen sich dabei rund um die Uhr von allen Seiten verwöhnen und betreuen, kriegen hier und da noch ein Tablettchen oder Spritzchen - mit Verpflegungs- und Navigationsproblemen, roten Ampeln und  Staus brauchen die sich nicht zu befassen. Wir hingegen beginnen nach durchschnittlich fünf Stunden Schlaf unser gnadenloses Tagesprogramm. Zusammenpacken, Morgentoilette mit Hirschtalg und Faktor-50-Sonnencreme, Räder aus irgendeiner Kammer, einer Garage oder dem Zimmer in aller Herrgottsfrühe hinauszerren und satteln, müde und leer lostreten - richtig gefrühstückt haben wir bisher ein einziges Mal. Beim ersten Hungerast, einer ausgetrockneten Kehle oder sonstigen Schwächeleien müssen wir wohl oder übel auf Kalorien- und Flüssigkeitssuche. Das wiederholt sich ein paar Mal täglich und kostet Zeit, ist aber ein interessantes Spiel mit dem eigenen Körper und der persönlichen Leistungsfähigkeit - das mögen, ja lieben wir sogar. Was wir aber gar nicht mögen, ist ein Scheißverkehr wie heute und als Draufgabe noch die 20 Kilometer Kamikaze-Barcelona-Durchquerung. Bei konservativer Fahrweise bräuchte man dafür sicher einen halben Tag, wir rasen im Adrenalinrausch in einer guten Stunde durch. Die Aussicht auf das 200er-Bierchen lässt uns weitermachen, letztes Jahr gab's schon nach hundert Kilometer eins - das können wir uns heuer nicht leisten. Bei der Gelegenheit checken wir mögliche Unterkünfte, eine Entscheidung über das Etappenziel wird getroffen und anschließend heißt es oft noch eine Stunde oder so im Abendlicht hineintreten. Dann wird eingecheckt, das Gepäck muss von den Böcken, die Körper und die Klamotten müssen gewaschen und eine Bar oder ein Restaurant gefunden werden. Dort heißt es essen, trinken und die digitalen Pflichten erledigen - was jetzt gerade passiert. Das ist selten vor zwölf, halb eins erledigt. Bis wir zurück im Zimmer sind und jeder für sich noch ein paar Minuten durchgeatmet hat, ist es eins oder halb zwei - macht die am Anfang genannten maximal fünf Stunden Schlaf.

Morgendlicher Start durch die Reisfelder im Ebro-Delta.

Immer diese Verzögerungen.

Küstenabschnitt vor Barcelona.

Plastic Planet.

Ach ja, heute waren's 232 Kilometer und 1830 Höhenmeter.


Sonntag, 29. Juli 2018

Requena - Sant Carles de la Rapita

Vom Inlandszauber zur grotesk verschandelten Mittelmeerküste - und die ganze Welt macht an solchen Plätzen Urlaub! Postkartenidylle auf der Vorderseite, Trostlosigkeit ab der 2. Reihe, Betonklötze, ausgetrocknete Wasserläufe und alle Kategorien von Straßen - von der Autobahn bis zur holprigen, kleinen Gasse.










Aber alles der Reihe nach. Nach dem gestrigen Umweg über die Canyonlandschaft bei Cofrentes, möchten wir heute zu Beginn ein bisschen Tempo machen und nehmen vormittags kurzerhand die noch ruhige Autobahn bis ca. 20 Kilometer vor Valencia. Das schert hier niemanden, weder PKW, noch LKW, noch Polizei. Als es dann dreispurig wird, wird es uns doch zu heiß und wir klettern über die Leitplanke in das untergeordnete Straßennetz. 


Diese elendiglichen Großstadtdurchfahrten dauern und nerven gewaltig mit ihren Speedbumps und roten Ampeln, von denen wir eh 90 Prozent ignorieren. 


Mühsam geht es durch zig grausliche Städte und Orte mit all ihren Hindernissen Richtung Norden. Da hilft nur ein Hörbuch oder Louis Armstrong's unvergleichlich akzentuierte Trompete im Kopfhörer, bei der es mir sogar bei 35 Grad im Schatten eine Gänsehaut aufzieht. Nach 249 Kilometern und 1230 Höhenmetern stranden wir in einem dieser Urlaubskäffer. Was soll's, wir nehmen's wie's kommt ...




Der eine oder andere schöne Kilometer war ja schon dabei!


Ganz Santa Magdalena de Pulpis im Stierkampffieber!




Ein Long-Distance-Kollege, der vor zwei Monaten in Ceuta losgetreten ist. Der muss aber viele (Rauch-)Pausen gemacht haben!

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Samstag, 28. Juli 2018

Puente de Genave - Requena

Mit dem Wechsel der Regionen von Andalusien zu Castilla La Mancha und Valencia erhöht sich auch die Zahl unserer Pinkelstopps (die zeitweise gegen zero gefallen waren) langsam wieder und das ungesunde Dunkelgelb wechselt zu einem normalen Farbton. Mit anderen Worten, der heutige Tag fühlt sich einfacher an und das trotz der enormen Eckdaten von 269 Kilometern und 2170 Höhenmetern.




Im Laufe des Tages erhole ich mich langsam von der seit dem zweiten Tag andauernden Unterzuckerung. Mittags schütten wir soviel süße Flüssigkeiten in unsere Bäuche wie nur irgend geht - kalten Kakao und Kaffee, Eistee und Fruchtsäfte. Danach geht's dahin wie mit einem von diesen Power-Treibstoffen, für die an den Tankstellen immer geworben wird. An fester Nahrung brauchen wir unterwegs praktisch nix. Die Flüssigkeitsversorgung ist nicht immer ganz einfach, weil erstens die Distanzen zwischen den Dörfern groß sind und zweitens den ganzen Nachmittag über tote Hose herrscht.





Wir sind einfach Glückspilze, die Wasserfee zeigt sich erneut - and yes, we did it again!




Die landschaftliche Schönheit ist kaum in Worte zu fassen - die Größe dieses Landes, seine Menschenleere abseits der Hauptrouten, der damit verbundene Frieden und das Glücksgefühl beim Durchrollen. Dann die großen Überraschungen wie die gewaltigen Canyons, die unvermittelt die Hochflächen durchschneiden oder seltsame, wie riesige, bewachsene Gletschertische anmutende Formationen auf den Hochplateaus.




Freitag, 27. Juli 2018

Cabra - Puente de Genave

Santo Dios! Die heutigen 225 Kilometer sind heißer und die 2710 Höhenmeter zäher als viele andere, die wir schon hinter uns gebracht haben. Nach vier Stunden Schlaf geht's los - ohne Frühstück natürlich. Stopp, Korrektur! Gottlieb würgt einen Rest vom Vorabend hinunter, ich schaff das beim besten Willen nicht.


Müde und gemächlich tingeln wir durch die ersten 50 Kilometer Einsamkeit. Unglaublich, wie weitläufig und menschenleer die Landschaft ist.



Die sich über ganze Hügelketten und Landstriche ausbreitenden Olivenbäume faszinieren uns. Wir versuchen deshalb, ihre Anzahl in ganz Spanien zu schätzen und meinen, dass sie in die Milliarden gehen müssten. Am Abend wird recherchiert, es sind "nur" 300 Millionen. Unsere Schätzung war trotzdem nicht so daneben, weil allein in der Gegend von Jaen, durch die wir heute gefahren sind, 60 Millionen stehen!



Am Nachmittag zeigt das Thermometer bis zu 46,5 Grad. In den Steigungen ist das kaum auszuhalten. Die verdammten Straßen führen über jeden einzelnen Hügel drüber, weil dort oben auch die Dörfer stehen. Wir versuchen durchzuhalten und an keinen Defekt zu denken, denn bei einem Platten oder etwas Gröberem würden wir auf dem glühend heißen Asphalt wahrscheinlich sprichwörtlich gegrillt werden.





Dann das Déjà-vu, Wasser, nur noch viel schöner als am ersten Tag! Wo kommt das her? Ein richtiger Wildbach, der unter einer historischen Brücke über die Felsen schießt!
Was für ein Genuss! Wir legen uns mitsamt den Klamotten in das kalte! Nass, nicht ohne vorher mit archaischem Vergnügen zwischen zwei, vom Wasser durchspülten Felsen, die ein geradezu perfektes Outdoor-Örtchen bilden, ins Wasser zu gacken, schwupps und weg! (Man möge bitte dass letzte Foto studieren.) Danach ist alles gut! Befreit, erfrischt und mit dem Kühleffekt der nassen Klamotten im Fahrtwind erledigen wir den Rest mit links.