Montag, 30. Juli 2018

Sant Carles de la Rapita - Cardedeu

Was für eine Schinderei! Noch halten wir dank knallhartem Zeitmanagement durch. Ich wundere mich ja immer, wie wir das Tag für Tag bewältigen. Die Weicheier bei der Tour de France zum Beispiel fahren ihre Kurzetappen und lassen sich dabei rund um die Uhr von allen Seiten verwöhnen und betreuen, kriegen hier und da noch ein Tablettchen oder Spritzchen - mit Verpflegungs- und Navigationsproblemen, roten Ampeln und  Staus brauchen die sich nicht zu befassen. Wir hingegen beginnen nach durchschnittlich fünf Stunden Schlaf unser gnadenloses Tagesprogramm. Zusammenpacken, Morgentoilette mit Hirschtalg und Faktor-50-Sonnencreme, Räder aus irgendeiner Kammer, einer Garage oder dem Zimmer in aller Herrgottsfrühe hinauszerren und satteln, müde und leer lostreten - richtig gefrühstückt haben wir bisher ein einziges Mal. Beim ersten Hungerast, einer ausgetrockneten Kehle oder sonstigen Schwächeleien müssen wir wohl oder übel auf Kalorien- und Flüssigkeitssuche. Das wiederholt sich ein paar Mal täglich und kostet Zeit, ist aber ein interessantes Spiel mit dem eigenen Körper und der persönlichen Leistungsfähigkeit - das mögen, ja lieben wir sogar. Was wir aber gar nicht mögen, ist ein Scheißverkehr wie heute und als Draufgabe noch die 20 Kilometer Kamikaze-Barcelona-Durchquerung. Bei konservativer Fahrweise bräuchte man dafür sicher einen halben Tag, wir rasen im Adrenalinrausch in einer guten Stunde durch. Die Aussicht auf das 200er-Bierchen lässt uns weitermachen, letztes Jahr gab's schon nach hundert Kilometer eins - das können wir uns heuer nicht leisten. Bei der Gelegenheit checken wir mögliche Unterkünfte, eine Entscheidung über das Etappenziel wird getroffen und anschließend heißt es oft noch eine Stunde oder so im Abendlicht hineintreten. Dann wird eingecheckt, das Gepäck muss von den Böcken, die Körper und die Klamotten müssen gewaschen und eine Bar oder ein Restaurant gefunden werden. Dort heißt es essen, trinken und die digitalen Pflichten erledigen - was jetzt gerade passiert. Das ist selten vor zwölf, halb eins erledigt. Bis wir zurück im Zimmer sind und jeder für sich noch ein paar Minuten durchgeatmet hat, ist es eins oder halb zwei - macht die am Anfang genannten maximal fünf Stunden Schlaf.

Morgendlicher Start durch die Reisfelder im Ebro-Delta.

Immer diese Verzögerungen.

Küstenabschnitt vor Barcelona.

Plastic Planet.

Ach ja, heute waren's 232 Kilometer und 1830 Höhenmeter.


3 Kommentare:

  1. Morgen Espania - schön - wieder ein Lachen von dir Andi - ihr seid wirklich die Härtesten „Maschinen“ aber gerade deswegen haltet ihr solche Strapazen durch - ihr schafft das - wir freuen uns schon auf die Heimkehr - heiße 32Grad Grüße HaDi

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  2. Hallo Desperados - wir lesen täglich mit Genuss euren Tagesbericht und freuen uns schon auf den Nächsten! Ihr schafft das - weiter so! Gerald + Susanne

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  3. Hallo ohr zwei Kämpfer!
    Vielen Dank für eure tollen Fotos und Berichte, wir verfolgen eure Tour täglich mit Bewunderung. Macht weiter so, ihr schafft das!
    Liebe Grüße
    von allen Felders :-)

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